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10.6.07:Wofür braucht die Gemeinde ein Leitbild?

Vor kurzem hat die Bürgermeisterin die letzten Bürgerrunden ihrer Abfrage zu einem Leitbild für die Gemeinde hinter sich gebracht. Vorangegangen waren Streitigkeiten der Fraktionen, wie denn nun solche Leitlinien für das künftige Handeln aussehen sollen.

Viele werden sich fragen, was denn das ganze Tamtam soll, denn 2020 ist noch weit weg. So glauben zumindest viele. Klar, wer kann schon in die Zukunft schauen! Klar ist aber auch, dass politischverantwortliches Handeln nicht als adhoc-Geschäft betrieben werden darf, denn viele Unternehmungen brauchen zunächst eine Idee, dann eine exakte Planung, die auch die Effekte und Nebenwirkungen einer Entscheidung berück-sichtigen muss. Und nicht zuletzt benötigt die Realisierung großer Projekte Zeit.

Wie wichtig weit vorausschauende Planungen sind, wird vielen erst deutlich, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Ein Beispiel: die Gemeinde Jüchen hat mit dem Auenfeld ein sehr großes Baugebiet ausgewiesen. Gleichzeitig wird nahezu in unmittelbarer Nachbarschaft das Gewerbegebiet ausgebaut. Der Motorradzubehör „Polo“ errichtet dort ein riesiges Zentrallager mit Lagerverkauf und Eventveranstaltungen.

Beide Projekte sind grundsätzlich gut für die Gemeinde:mehr Einwohner bedeutet mehr Geld und Rechte, Polo steht für ein plus bei den Gewerbesteuern. Fraglich ist allerdings, inwieweit beide Projekte in guter Nachbarschaft nebeneinander existieren können, wenn Lieferverkehre, massenhaft Motorradfahrer und Veranstaltungen die private Ruhe zumindest theoretisch beeinträchtigen können.

Dieses kleine Beispiel unterstreicht eindrucksvoll, warum es wichtig ist, schon heute zu wissen, wohin sich die Gemeinde in einer ferneren Zukunft entwickeln soll. Eine vorausschauende Planung von Zielstellungen, erforderlichen Maßnahmen und benötigten Finanzmitteln muss sich dabei auf alle Politikbereiche erstrecken, von Ordnungsfragen zu Verkehrsaspekten, von der Bildung bis zum Sport, von Gewerbeansiedlung bis zur Lebensqualität und von der Liquidität bis zur Kultur. Deshalb ist ein fraktionsübergreifender Dialog für dieseFragen unabdingbar, denn die Zukunft unserer Kinder geht alle an.


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